DIE VALLARTA SCHLAMMSCHILDKRÖTE | MEXIKO

DAS LAND

Mexiko, Puerto Vallarta, Bahia de Banderas

DAS TIER

Die Vallarta-Schlammschildkröte (Kinosternon vogti) wurde erst im Jahr 2018 beschrieben (Lopez-Luna et al. 2018). Trotz ihres einzigartigen Aussehens wurde sie von Generationen von Herpetologen übersehen. Die Männchen haben einen auffälligen leuchtend gelben Fleck auf der Oberseite ihres Kopfes an der Nase, der bei den Weibchen weniger ausgeprägt ist. Sie ist die kleinste Schildkrötenart der Welt, wobei die Männchen selten eine Panzerlänge von 75 mm überschreiten und die Weibchen etwas größer sind (maximal 95 mm). Vor der Regenzeit im Mai und Juni durchlaufen sie in der Regel eine 3 bis 5monatige Winterruhe, tief im Sand eingegraben.

Die winzigen Schlüpflinge mit etwa 20 mm Größe schlüpfen zu Beginn der Regenzeit. Den Rest des Jahres lebt die Art in Teichen, langsam fließenden Bächen und Sümpfen. Sie ernährt sich von Fischen, Insekten, Aas, Pflanzenmaterial und allem, was sie erbeuten kann.

UNSER LOKALER PARTNER

Gemeinsam mit unserem mexikanischen Partner, dem Centro Universitario de la Costa der Universität von Guadalajara (CUC), setzen wir uns dafür ein, das drohende Aussterben dieser Art zu verhindern.

DIE HAUPTBEDROHUNG

Diese Art ist in einem kleinen Tal der Bahia de Banderas in den mexikanischen Provinzen Nayarit/Jalisco endemisch und lebt in kleinen, tief gelegenen, nicht brackigen Gewässern. Leider ist dieses Tal eines der sich am schnellsten entwickelnden Tourismusgebiete an der westlichen mexikanischen Küste und ein beliebtes Winterreiseziel für sonnenhungrige Nordamerikaner sowie für viele Zugvogelarten.

Das ehemals sumpfige Tal ist heute dicht besiedelt und mit schicken Hotels zugepflastert, sodass nur noch wenige Gewässer übriggeblieben sind, in denen die Art überleben kann. Wir schätzen, dass weniger als 1000 Exemplare überlebt haben, verstreut auf weniger als 10 bekannte Standorte, die weniger als 100 Hektar umfassen. Bei einer Feldstudie im Februar 2022 entdeckte unser Team zahlreiche Exemplare, die an einem der Hauptlebensräume von Autos überfahren wurden. Diese Schildkröten versuchten, in ihr Sommerquartier zu wandern, da ihr Teich in den heißen Sommermonaten austrocknet. Diese Straße, die es vor 10 Jahren noch nicht gab, führt nun mitten durch den Lebensraum und nur wenige Schildkröten können sie lebend überqueren.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Eigentümer dieses Sumpfes aufgrund der steigenden Immobilienpreise plant, das Grundstück an ein Hotel zu verkaufen. Vor allem in diesem Jahr haben die verheerenden Auswirkungen von El Niño eine große Dürre ausgelöst, von der vor allem das Gebiet von Nayarit betroffen ist, wo der Wasserstand auf weniger als 10 % der üblichen Menge gesunken ist. Die Sümpfe, die für die Schildkröten überlebenswichtig sind, trocknen rasch aus, was die ohnehin schon kritische Situation noch verschlimmert. Außerdem haben wütende Waldbrände die Lebensräume verwüstet, Menschenleben gefordert und wertvolle Ökosysteme zerstört. Schließlich wurde auch eine Schwesternart von KvogtiKinosternon chimalhuaca, in dem Gebiet gefunden, obwohl sie nicht als einheimisch gilt und die Gefahr einer Hybridisierung gegeben ist, was eine zusätzliche Herausforderung für die ohnehin schon schwierige Existenz von Kvogti darstellt.

Angesichts dieser Widrigkeiten besteht dringender Handlungsbedarf, um diese einzigartigen Zwerge und ihre Lebensräume zu erhalten.

DAS PROJEKT

Unser Ziel ist es, das drohende Aussterben dieser Art zu verhindern, das vor allem auf die starke Zerstörung ihres Lebensraums zurückzuführen ist. Turtle Island und seine Partner erfassen wissenschaftlich die Hauptbedrohungen, wie das Überfahren werden und den erheblichen Lebensraumverlust.

Im Februar 2023 baute Turtle Island und das CUC einen Schildkrötenzaun entlang der Straße, an der zuvor zahlreiche Schildkröten durch Autos getötet wurden, um weitere Verkehrstote zu vermeiden.

Im Februar 2024 reiste ein Team von Turtle Island unter der Leitung von Torsten Blanck abermals nach Puerto Vallarta, Mexiko, um nun einen professionellen Amphibien/Reptilienschutzzaun entlang von Straßen zu errichten. Die ersten Schlammschildkröten sind bereits abgewandert und konnten auf das Unigelände gebracht werden, wo sie unsere Zuchtgruppe vergrößern.

Am CUC-Gelände ist eine Erhaltungszuchtstation für mindestens 100 Zuchttiere geplant. Weiters versuchen wir einige der letzten verbliebenen Lebensräume zu erwerben und zu schützen.

ERGEBNISSE

Durch die Errichtung des Schildkrötenzauns konnten im Jahr 2023 mehr als 30 Exemplare vor dem Tod auf der Straße bewahrt und in eine Sicherungskolonie am CUC umgesiedelt werden.

In Österreich konnten wir in einer unserer Zuchtstationen den weltweit ersten Zuchterfolg dieser Art in menschlicher Obhut erzielen: Anfang Februar 2023 schlüpften drei Jungtiere! Die bei uns gezüchteten Jungtiere werden für künftige Auswilderungsprojekte verwendet, sobald geschütztes Land verfügbar ist.

Im Februar 2024 kam es bereits zum Spatenstich für den Bau unseres neuen Zentrums auf dem Campus der University of Guadalajara. 150 Aquarien sind bereits bestellt und werden bis Mai 2024 fertiggestellt. Die ersten 30 Neuzugänge dieses Jahres (2024) sprengen schon jetzt unsere provisorische Unterbringung, sodass eine weitere Anlage am Unigelände für zusätzliche 60 Schlammschildkröten bezogen werden konnte. Diese Initiative, die Teil des „Proyecto Casquito de Vallarta“ ist, stellt einen entscheidenden Schritt in unserem Engagement für den Schutz der Populationen der Vallarta Schlammschildkröte (Kinosternon vogti) dar.

Projekpartner und Unterstützer

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