DIE NÖRDLICHE FLUSSCHILDKRÖTE | INDIEN UND BANGLADESCH

ZUSAMMENFASSUNG

Die Nördliche Flussschildkröte (Batagur baska) ist eine sehr große Flussschildkröte. Sie kann eine Länge von bis zu 60 cm erreichen. Sie lebte in Flussmündungen und Mangrovenwäldern in Nordostindien, Bangladesch und Myanmar. Bis zur Jahrhundertwende gab es eine hohe Populationsdichte an Schildkröten in den Flüssen, doch Überfischung und das Sammeln von Eiern haben diese Art an den Rand des Aussterbens gebracht.

WIE GROSS IST DIE BEDROHUNG?

Die Nördliche Flussschildkröte gehört zu den 3 am stärksten bedrohten Schildkrötenarten der Welt. Es gibt nur noch wenige erwachsene Tiere und weltweit gibt es nicht mehr als 13 geschlechtsreife Weibchen! In Indien und Bangladesch wurden in den 1990er Jahren keine Nördlichen Flussschildkröten gefunden und auch die Suche nach natürlichen Lebensräumen war leider erfolglos. Die Nördliche Flussschildkröte wurde von der IUCN (International Union for the Conservation of Nature) als vom Aussterben bedroht eingestuft und in die Liste der 25 am stärksten bedrohten Schildkrötenarten aufgenommen.

UNSERE ROLLE

Wir suchten nach Populationen in Orissa (Odhissa) und Westbengalen und weiteten diese Suche später auf die Mangrovenwälder in Bangladesch aus. Nach fast drei Jahren Feldarbeit und Recherchen über den illegalen Schildkrötenhandel entdeckten wir die ersten drei Nördlichen Flussschildkröten, die in einem Teich in einem Dorf im Süden Bangladeschs lebten. Als sanfte Pflanzenfresser galten diese Schildkröten in Fischzuchtteichen oft als Glücksbringer. Die Eier waren eine beliebte Delikatesse und nachdem ein Weibchen seine Eier gelegt hatte, wurden sie sofort ausgegraben und verzehrt.

Wir kauften diese drei Schildkröten und siedelten sie mit Unterstützung des Forstministeriums von Bangladesch in ein Schutzgebiet im Bhawal-Nationalpark um. Das Projekt „Batagur“ war offiziell geboren!

Darüber hinaus haben Turtle Island und der Zoo Schönbrunn gemeinsam ein Projekt ins Leben gerufen, um die einzige Zuchtgruppe für Nördliche Flussschildkröten außerhalb ihrer Herkunftsländer aufzubauen. Im Mai 2010 schlüpften bei Turtle Island zwei Jungtiere der Nördlichen Flussschildkröte. Dies war weltweit die erste erfolgreiche Nachzucht dieser Art in menschlicher Obhut. Die kontrollierte Aufzucht und der Schlupf dieser Schildkröten in menschlicher Obhut sind Sofortmaßnahmen, die notwendig sind, um das Überleben dieser Art zu sichern. Unsere Zuchtgruppe hat sich jedes Jahr fortgepflanzt und umfasst heute etwa 20 % der Tiere der ersten Generation weltweit. Sie werden eine wichtige Rolle bei der langfristigen Erhaltung dieser außergewöhnlichen Art spielen. Das Ziel ist es, die Tiere wieder in ihre Ursprungsländer auszuwildern.

Wir haben schließlich eine weitere Zuchtstation in Bangladesch eingerichtet, in der nun mehr als 20 männliche und 8 weibliche Nördliche Flussschildkröten leben. Seit 2012 haben diese Schildkröten mehr als 500 Jungtiere hervorgebracht. Trotz dieser Erfolge haben wir noch viel zu tun, bevor wir unser Projekt „Batagur Going Home“ starten können.

2016 brachten wir an zwei großen Männchen Satellitensender an und setzten sie im Sundarbans-Nationalpark aus. Leider haben wir das Signal von einem der Männchen nach einer Woche verloren. Die Schildkröte war zu nahe an ein Fischerdorf herangekommen. Das zweite Männchen wurde in unser lokales Zentrum zurückgebracht, nachdem es zweimal von Fischern gefangen worden war.

In den Jahren 2018, 2019 und 2022 haben wir jeweils fünf weitere Tiere freigelassen, die alle das gleiche Schicksal ereilten. Leider übersteigt der Lebensraum dieser besonderen Schildkröte bei weitem das Gebiet des Naturschutzgebiets oder dessen Kontrolle, da die kommerzielle Fischerei in einem Großteil des Gebiets illegal ist.

Ohne Sensibilisierungskampagnen werden weitere Wiederansiedlungsbemühungen in freier Wildbahn nicht erfolgreich sein.

Nur die unkonventionelle Zusammenarbeit mit Wilderern, Fängern und Schildkrötenhändlern hat zum Erfolg geführt. Unser besonderer Dank gilt Sures Das, Sman Sirker und Sanjiban Gosh für ihre Bemühungen, die Schildkröten in den Tempelteichen zu finden.

Reiner Praschag veröffentlichte dazu im Juni 2022 (Elaphe) den Artikel: „Früher häufig, heute die drittseltenste Schildkrötenart: Die nördliche Batagur Schildkröte – Batagur baska“ – Download

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