Die Welt der Schildkröten verstehen

Mythen & Fakten

WISSENSWERTES ÜBER SCHILDKRÖTEN

15 Irrtümer im Faktencheck

Schildkröten leben seit über 200 Millionen Jahren auf der Erde und zählen dennoch zu den am meisten missverstandenen und übersehenen Tieren unserer Zeit. Bei Turtle Island kümmern wir uns täglich um einige der weltweit am stärksten bedrohten Wasser- und Landschildkröten und setzen uns aktiv für ihren Schutz ein.

Im Laufe der Jahre sind uns unzählige Mythen über diese faszinierenden Tiere begegnet – Irrtümer, die zu Missverständnissen, falscher Haltung oder sogar Schaden für die Tiere führen können. Hier klären wir einige der häufigsten Fehlannahmen auf und zeigen die faszinierenden Wahrheiten hinter diesen außergewöhnlichen Schildkröten.

Fakt: Der Panzer besteht aus Knochen und ist mit der Wirbelsäule und dem Brustkorb verwachsen; er wächst mit ihnen mit. Schildkröten sind auf ihren Panzer angewiesen, da er ihre inneren Organe schützt. Würde man eine Schildkröte aus ihrem Panzer entfernen, würde sie sterben.

Fakt: Alle Landschildkröten sind Schildkröten – aber nicht alle Schildkröten sind Landschildkröten.
Im Englischen wird der Begriff „turtle“ oft als Sammelbezeichnung für alle Vertreter der Ordnung Testudines (auch Chelonia genannt) verwendet. Diese Ordnung umfasst sämtliche heute lebenden Schildkrötenarten. Die Begriffe werden im Alltag häufig nach dem Lebensraum unterschieden, was zu Missverständnissen führen kann.

Landschildkröten leben ausschließlich an Land und besitzen kräftige, säulenartige Beine, die an das Laufen auf festem Untergrund angepasst sind.
Was viele Menschen als „Schildkröten“ bezeichnen, sind hingegen meist Wasser‑ oder Sumpfschildkröten. Diese leben im Süßwasser, im Meer oder in feuchten Lebensräumen und haben Schwimmhäute oder flossenartige Gliedmaßen, die ihnen das Schwimmen ermöglichen.

Zusätzlich werden diese Begriffe international unterschiedlich verwendet. In Australien bezeichnet „terrapin“ allgemein Süßwasserschildkröten, während „turtle“ dort fast ausschließlich für Meeresschildkröten genutzt wird.
In den USA wiederum meint „terrapin“ nur eine ganz bestimmte Gruppe von Schildkröten, die in brackigen Lebensräumen wie Flussmündungen oder Küstenmarschen vorkommen.

Aus biologischer Sicht werden Schildkröten jedoch nicht nach ihrem Lebensraum eingeteilt. Entscheidend ist vielmehr, wie sie ihren Hals in den Panzer zurückziehen. Schildkröten der Unterordnung Cryptodira ziehen Kopf und Hals gerade nach hinten in den Panzer zurück und werden deshalb manchmal als „Halsberger‑Schildkröten“ bezeichnet. Schildkröten der Unterordnung Pleudodira hingegen legen Kopf und Hals seitlich unter den Panzer – daher der Name „Halswender‑Schildkröten“.

Fakt: Die meisten Schildkröten erfordern aufwendige Pflege: UVB-Beleuchtung, Filteranlagen, spezielle Ernährung, Platz und langfristiges Engagement (manche werden über 50 Jahre alt).

Fakt: Die meisten Schildkröten aus der Haustierhaltung sind in den Gebieten, in denen sie gehalten werden, nicht heimisch. Wenn sie freigelassen werden, werden sie zu invasiven Arten, die Krankheiten verbreiten, heimische Ökosysteme stören und heimische Schildkrötenpopulationen verdrängen – oder sogar ausrotten – können.

Fakt: Viele Schildkröten sind überraschend schnell, wenn sie motiviert sind, besonders im Wasser. Einige Arten sind darauf spezialisiert, lebende Fische zu fangen, indem sie ihren Kopf nach vorne strecken, um ihre Beute zu schnappen – schneller, als das menschliche Auge wahrnehmen kann. Unterschätze niemals eine entschlossene Schildkröte!

Fakt: Einige Arten halten eine Winterstarre, aber nicht alle. Tropische Schildkröten bleiben oft das ganze Jahr über aktiv. Eine falsche Haltung einer Art im Winter kann zum Tod führen. Einige halten auch eine Ästivation, bei der sie in einen Ruhezustand eintreten, um heiße und trockene Bedingungen zu überstehen. Erfahre hier mehr über die Pflege während der Winterstarre (Winterschlaf).

Fakt: Ein beschädigter Panzer ist ein medizinischer Notfall. Es ist vergleichbar mit einem Knochenbruch in Kombination mit einer Hautwunde.

Fakt: Schildkröten empfinden Schmerz, Stress und Emotionen wie Angst. Falsche Behandlung oder Verletzungen verursachen ihnen Leid. Außerdem haben sie einen sehr empfindlichen Panzer; sie spüren eine sanfte Berührung ihres Panzers und Temperaturveränderungen.

Fakt: Nicht alle Schildkröten ernähren sich ausschließlich von Pflanzen. Viele Arten sind Allesfresser oder sogar Fleischfresser – Schnappschildkröten beispielsweise fressen Fische, Frösche und sogar kleine Säugetiere. Jungtiere einiger überwiegend pflanzenfressender Arten beginnen ihr Leben ebenfalls mit einer eher fleischhaltigen Ernährung, bevor sie sich mit zunehmender Reife auf Pflanzen umstellen. Die meisten Landschildkröten sind echte Pflanzenfresser, die sich hauptsächlich von Gras, Blättern und anderer Vegetation ernähren, obwohl bei einigen seltenen Landschildkrötenarten gelegentlich beobachtet wurde, dass sie tierische Nahrung zu sich nehmen. Um mehr über die Ernährung und Pflege von Landschildkröten zu erfahren, besuche unsere Informationsseite.

Fakt: Kulturelle Überzeugungen variieren, doch die Verwendung von Schildkröten in Aberglauben oder der traditionellen Medizin hat zur Ausbeutung und zum Handel mit gefährdeten Arten geführt.

Fakt: Schildkröten sind oft auf einer bestimmten Mission: Männchen streifen auf der Suche nach Weibchen umher, während Weibchen weite Strecken zurücklegen, um sichere Nistplätze zu finden. Sie in die falsche Richtung zu treiben oder mit nach Hause zu nehmen, stört ihren natürlichen Lebenszyklus. Aufgrund der Zerstörung und Zerteilung ihres Lebensraums sind Schildkröten oft gezwungen, gefährliche Straßen zu überqueren, um an notwendige Ressourcen wie Nahrung oder Wasser zu gelangen oder einen sicheren Ort zum Eierlegen zu finden.

Fakt: Die meisten können zwar lange den Atem anhalten, müssen aber dennoch an die Oberfläche kommen, um Luft zu holen, sonst ertrinken sie. Einige Arten können durch eine spezielle Kloakenatmung geringe Mengen Sauerstoff aufnehmen – aber das ist kein „Atmen“ wie bei einem Fisch. Einige Arten, wie die Glattrand-Weichschildkröte, können unter eisigen Bedingungen tatsächlich Sauerstoff über die Haut aufnehmen, indem sie unter Wasser „Liegestütze“ machen.

Fakt: Wenn sie auf den Rücken gedreht werden, haben viele Landschildkröten Mühe, sich wieder aufzurichten, besonders auf flachen oder geneigten Oberflächen. Zu lange auf dem Rücken zu liegen, kann für eine Landschildkröte aufgrund von Atemproblemen oder Überhitzung tödlich sein.

Fakt: Wildlebende Schildkröten können Parasiten übertragen, stehen unter Naturschutz, und ihre Entnahme aus ihrem natürlichen Lebensraum kann das Ökosystem und das Überleben ihrer Art gefährden. Wenn du eine verletzte Schildkröte findest, wende dich bitte an eine örtliche Tierauffangstation.

Fakt: Zwar sind Schildkröten im Vergleich zu den meisten Tieren langlebig, doch sie werden nicht jahrhundertelang alt. Die meisten Schildkröten, die als Haustiere gehalten werden, wie zum Beispiel Rotwangen-Schmuckschildkröten, werden bei richtiger Pflege etwa 20 bis 40 Jahre alt. Viele Landschildkrötenarten können 50 bis 100 Jahre alt werden, und einige Riesen (wie Galápagos- oder Aldabra-Landschildkröten) erreichen in seltenen Fällen ein Alter von 150 Jahren. Aber die Vorstellung, dass Schildkröten mehrere hundert Jahre alt werden, ist ein Mythos, der oft in Volksüberlieferungen übertrieben oder in historischen Berichten falsch wiedergegeben wurde.

Weitere interessante Fakten

  • Wissenswertes: Die Langhalsschmuckschildkröte (Deirochelys reticularia) ist die kurzlebigste Schildkrötenart mit einer maximalen dokumentierten Lebensdauer von 21 Jahren.
  • Wissenswertes: Wenn Schildkröten fauchen, sind sie nicht aggressiv. Das Geräusch entsteht, wenn Luft aus ihren Lungen gedrückt wird, während sie sich schnell in ihren Panzer zurückziehen. Es ist ein automatischer Reflex aus Angst, nicht aus Wut
  • Wissenswertes: Die Chitra-Schildkröte (eine riesige Weichschildkrötenart) hat einen der schnellsten Hinterhaltangriffe im gesamten Tierreich. Auf Turtle Island wurde diese unglaubliche Bewegung während der Arbeit am Film „Turtle Hero“ mit einer speziellen Hochgeschwindigkeitskamera festgehalten, die 3.000 Bilder pro Sekunde aufzeichnete, nur um mit dem blitzschnellen Ausfall der Schildkröte Schritt zu halten!

So kannst du helfen, Schildkröten zu schützen

  1. Lasse Wildschildkröten in freier Wildbahn: Nimm keine Schildkröten aus der freien Natur als Haustiere mit. Schon das Entfernen eines einzigen Tieres kann den lokalen Populationen und Ökosystemen schaden.
  2. Hilf einer Schildkröte, die Straße sicher zu überqueren: Wenn du eine Schildkröte auf der Straße siehst, setze sie vorsichtig in die Richtung zurück, in die sie unterwegs war. Setze sie niemals an einem anderen Ort aus – sie weiß selbst, wohin sie will.
  3. Schütze ihre Lebensräume: Unterstütze den Schutz von Feuchtgebieten, Flüssen und Wäldern. Selbst kleine Maßnahmen wie die Reduzierung des Plastikverbrauchs, der Einsatz von weniger Pestiziden und die Sauberhaltung von Gewässern helfen den Schildkröten zu überleben.
  4. Kaufe keine wild gefangenen Schildkröten: Der illegale Handel mit Haustieren treibt viele Arten in den Tod. Wenn du eine Schildkröte als Haustier möchtest informieren dich gründlich und adoptiere verantwortungsbewusst aus Tierheimen, anstatt in Zoohandlungen zu kaufen.
  5. Sei ein verantwortungsbewusster Tierhalter: Wenn du bereits eine Schildkröte oder Landschildkröte hast, sorge für die richtige Pflege: ein geräumiges Gehege, sauberes Wasser, die richtige Beleuchtung und eine gesunde Ernährung. Und lass das Haustiere niemals in die Wildnis frei.
  6. Reduziere Plastik und Umweltverschmutzung: Plastiktüten, Angelschnüre und Mikroplastik können Schildkröten töten. Die Reduzierung von Einwegplastik und die Teilnahme an Aufräumaktionen bewirken einen echten Unterschied.
  7. Verbreite die Botschaft: Kläre Freunde und Familie über den Schutz von Schildkröten auf. Das Aufklären über Mythen (wie die auf dieser Seite!) ist eine der einfachsten Möglichkeiten, zu helfen.
  8. Unterstütze Naturschutzprojekte: Organisationen wie Turtle Island setzen sich täglich für die Rettung, Auswilderung und den Schutz gefährdeter Arten ein. Spenden, Freiwilligenarbeit oder auch das Teilen ihrer Arbeit im Internet tragen dazu bei, den Naturschutz voranzubringen.

Schließ dich uns beim Schutz der Schildkröten an

Wir hoffen, dass dies geholfen hat, Schildkröten und Landschildkröten in einem neuen Licht zu sehen. Indem wir mit Mythen aufräumen, können wir diese wunderbaren Überlebenskünstler besser verstehen und schätzen lernen und Maßnahmen ergreifen, um ihre Zukunft zu sichern! Bei Turtle Island setzen wir uns für den Schutz der am stärksten gefährdeten und am meisten übersehenen Schildkröten- und Landschildkrötenarten der Welt ein. Um mehr über unsere Arbeit zu erfahren, besuche unsere Projektseite. Wenn du dich uns anschließen möchtest, um diese missverstandenen Kreaturen vor dem Aussterben zu bewahren, kontaktiere uns gerne noch heute.

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