So bleiben Landschildkröten gesund

Pflegeguide

Einstieg in die Landschildkrötenhaltung

Für gesunde und glückliche Landschildkröten

Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri) begeistert seit Generationen Tierfreunde. Mit ihrer ruhigen Art, ihrer beeindruckenden Langlebigkeit und ihrem ganz eigenen Charakter wird sie für viele Menschen zu einem besonderen Begleiter. Wer einer solchen Schildkröte – idealerweise aus einem Tierheim oder einer Auffangstation – ein neues Zuhause schenkt, übernimmt Verantwortung für viele Jahrzehnte. Nicht selten werden Griechische Landschildkröten weitergegeben oder innerhalb der Familie übernommen. So wird aus der Entscheidung für dieses Tier ein stiller Generationenvertrag.

 

Gleichzeitig wird die Haltung dieser beliebten Reptilien häufig unterschätzt. Viele gesundheitliche Probleme entstehen nicht plötzlich, sondern entwickeln sich über Jahre – meist als Folge von Fehlern in Ernährung, Lichtversorgung oder Haltungsbedingungen. Mit fundiertem Wissen lassen sich jedoch zahlreiche Erkrankungen vermeiden und die Grundlage für ein langes, stabiles Leben schaffen.

Ernährung: Der Schlüssel zur Gesundheit

Wie beim Menschen spielt die Ernährung auch bei Landschildkröten eine zentrale Rolle. Die Mehrheit der Gesundheitsprobleme bei in menschlicher Obhut gehaltenen Tieren steht in Zusammenhang mit falscher Fütterung – insbesondere mit einem Übermaß an Eiweiß bei gleichzeitigem Mangel an Ballaststoffen und Kalzium.

Eine artgerechte Ernährung besteht überwiegend aus natürlichen Wildkräutern, Blüten und Gräsern – nicht ausschließlich aus handelsüblichem Blattgemüse. Entscheidend ist Vielfalt. Auch wenn Löwenzahn sehr gern gefressen wird, sollte er nicht in zu großen Mengen angeboten werden, da er harntreibend wirkt und langfristig die Bildung von Blasensteinen begünstigen kann. Die Mahlzeiten können – insbesondere bei Jungtieren und bei Weibchen – regelmäßig mit einem Kalziumpräparat bestäubt werden. Kalzium ist essenziell für ein gesundes Wachstum und eine stabile Panzerentwicklung. Sauberes, frisches Wasser muss täglich zur Verfügung stehen. Auch das regelmäßige Baden unterstützt eine ausreichende Hydration.

Aber auch eine Überfütterung sollte vermieden werden; eine tägliche Futtergabe oder freies Grasen im Gehege ist in der Regel ausreichend.

Geeignete Futterpflanzen

Beim Sammeln von Wildpflanzen und -kräutern ist darauf zu achten, dass diese frei von Pestiziden und Düngemitteln sind.

Geeignet sind unter anderem:

  • Grünfutter: Kohlblätter, Grünkohl, Rübenblätter, Luzernesprossen, Mangold, Romanasalat, Endivie, Chicorée, Zuckerhut
  • Wildkräuter: Klee, Löwenzahn, Mariendistel, Gänsedistel, Spitzwegerich, Breitwegerich
  • Blüten: Hibiskus, Malve, Kornblume, Kapuzinerkresse (Blütenblätter)
  • Gräser: verschiedene Wiesen- und Rasengräser

Diese Auswahl stellt eine gute Grundlage für eine naturnahe und ausgewogene Ernährung dar.

Futtermittel nur in Maßen

Wie bei Menschen gilt auch hier: Besonders Schmackhaftes ist nicht automatisch besonders gesund. Früchte wie Bananen oder Melonen sowie Gemüse wie Tomaten gehören nicht zur täglichen Grundernährung einer Griechischen Landschildkröte. Sie enthalten vergleichsweise viel Zucker, weisen ein ungünstiges Kalzium-Phosphor-Verhältnis auf und können bei regelmäßiger Fütterung Verdauungsstörungen begünstigen. Auch Lebensmittel wie Kohl, Brokkoli, Bohnen, Spinat, Eisbergsalat, Mais, Paprika, Gurken sowie verschiedene Obstsorten wie Erdbeeren oder Äpfel sollten daher nur in Ausnahmefällen angeboten werden.

Man kann diese Futtermittel mit Schokolade für Kinder vergleichen: Als gelegentliche Belohnung in kleinen Mengen unproblematisch, aber keinesfalls als fester Bestandteil des Speiseplans geeignet.

Pellets als Ergänzung

Hochwertige kommerzielle Pellets können eine sinnvolle Ergänzung darstellen, sofern sie eine transparente Nährstoffanalyse aufweisen und ein ausgewogenes Kalzium-Phosphor-Verhältnis enthalten. Marken ohne nachvollziehbare Zusammensetzung sollten vermieden werden.

Pellets können vor dem Füttern in Wasser eingeweicht und mit dem gewohnten Futter gemischt werden. Das erleichtert die Akzeptanz.

Ein Tier fürs Leben

Eine artgerechte Umgebung ermöglicht natürliche Verhaltensweisen und sorgt für stabile klimatische Bedingungen.

Wesentliche Elemente sind:

  • Unterschiedliche Temperaturbereiche im Gehege: warme Aufwärmzone unter der Wärmelampe bzw. Sonnenplatz sowie kühlere Rückzugsbereiche zur eigenständigen Temperaturregulation
  • Versteckmöglichkeiten und Rückzugsorte
  • Ein natürlicher Bodengrund, der Graben erlaubt
  • Regelmäßige Reinigung zur Vorbeugung von Erkrankungen
  • Eine geeignete Beleuchtung mit Wärmespot und UVB-Licht, wenn kein natürliches Sonnenlicht zur Verfügung steht
  • Thermometer und geeignete Steuerung zur Temperaturkontrolle
  • In kühleren Bedingungen kann ergänzend eine kleine Heizmatte eingesetzt werden

Schildkröten dürfen keinesfalls ausschließlich im Innenbereich gehalten werden. Natürliche Sonnenexposition spielt eine wichtige Rolle. Als Einstreu sind Heu oder Stroh ungeeignet, da sie bei Feuchtigkeit schimmeln können. Besser geeignet sind beispielsweise trockenes Laub oder Papier.

Der Panzer darf niemals geölt, poliert, bemalt oder angebohrt werden – solche Eingriffe sind schmerzhaft und schädlich.

Haltung und Gehege

Eine gut gepflegte Griechische Landschildkröte kann viele Jahrzehnte alt werden. Mit einer ausgewogenen Ernährung, geeigneten Haltungsbedingungen, der richtigen Licht- und Wärmeversorgung sowie regelmäßiger tierärztlicher Betreuung schafft man die Grundlage für ein langes und stabiles Leben. Wer sich für dieses Tier entscheidet, übernimmt Verantwortung auf lange Sicht – häufig weit über die eigene Lebensphase hinaus.

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